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Presse:

shz: 0212.2011 Nordfriesland

Wir freuen uns, Ihnen hier einen Pressebericht zu zeigen.

In Enge-Sande werden Offshore-Techniker für den Einsatz fit gemacht

Enge-sande. "Alle reden über Offshore - wir tun was - als bisher einziges Unternehmen in Nordfriesland", erklärt Matthias Volmari. Er ist neben Marten Jensen und Andreas Rauschelbach einer von drei Geschäftsführern der Firma Offtec Base GmbH & Co. KG mit Sitz in Enge-Sande. Schleswig-Holstein habe in Sachen Offshore-Windkraft bisher noch nicht viel zu bieten, sind sich die drei einig. Die Firma Offtec (Offshore Trainings- und Entwicklungs-Cluster) arbeitet mit Hochdruck daran, dies zu ändern. Auf einer Fläche von 127 Hektar des früheren Munitionslagers in Enge-Sande entsteht derzeit ein Training- und Ausbildungszentrum für Offshore-Windkraftanlagen-Mitarbeiter.

Andreas Rauschelbach schätzt den Bedarf an operativ tätigem Personal für den laufenden Service auf eine halbe bis eine Kraft pro Offshore-Windkraftanlage. Eine Ausbildung auf offener See wird es aus versicherungstechnischen Gründen nicht geben. Und da die Windenergie-Firmen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gestoßen sind, sehen sich die Offtec-Geschäftsführer mit ihrem Trainings- und Ausbildungs-Cluster auf einem guten Weg. "Der Kunde sagt uns, welche Standards er haben will. Wir bieten die Infrastruktur."

Wichtig ist zum einen die spezifische, fachliche Qualifikation der Fachkräfte für den Offshore-Bereich, die in Enge-Sande geschult werden soll. Wer hierhin kommt, ist kein Neuling in der Branche, sondern hat in der Regel schon im Onshore-Bereich gearbeitet. "Wir wollen mit Offtec die gesamte Palette anbieten", erklärt Andreas Rauschelbach. Treffgenau sollen die Angebote für die Firmen zusammengestellt werden.

Matthias Volmari: "Wir trainieren hier an Real-Offshore-Prototypen. Ein beträchtlicher Teil aller derzeit geplanten Offshore-Anlagen sind von der Firma Siemens Windpower. Sie kommen hier bei uns zur Anwendung." Derzeit werden drei Kilometer von der Base entfernt auf dem Enge-Sander Klingenberg vier Siemens-Anlagen aufgebaut. Es handelt sich um zwei 3,6 Megawatt-Anlagen mit einem Rotor-Durchmesser von 120 Metern. Neu sind zwei getriebelose 3,0 Megawatt-Anlagen mit einem Rotor-Durchmesser von 101 Metern. Die Naben-Höhe der Anlagen beträgt 90 Meter für die SWT 3.6-120 und 79 Meter für die SWT 3.0-101-DD. Andreas Rauschelbach: "Mit etwas Glück können schon Ende des Jahres erste Trainings im Offtec-Field angeboten werden." Natürlich produzieren die Übungsanlagen Strom. Betrieben wird das Feld wie ein Bürgerwindpark. 160 Familien aus allen Ortsteilen Enge-Sandes haben Anteile im Wert von 1000 bis 30000 Euro gezeichnet.

Geplant sind auf dem Schulungsgelände in Enge-Sande sowie auf dem Offtec-Field zunächst offene Basis- oder Standardtrainings. Eine Ausbildung beläuft sich, je nach Bedarf, auf eine bis vier Wochen. Das Alleinstellungsmerkmal liegt in den Detailtrainings. Benötigt werden neben den Service-Technikern beispielsweise Fachkräfte, die die Installationen im Meer vornehmen. Dazu gehören die Netz-Installation, die Kabelverlegung oder das Einrichten von Umspannwerken der Offshore-Anlagen.

Neben der fachlichen spielt die sicherheitstechnische Qualifikation eine wichtige Rolle. Entscheidend ist, Unfälle gar nicht erst entstehen zu lassen. Auf den Offshore-Windkraft-Anlagen mitten im Meer muss alles Hand in Hand gehen - sowohl bei der täglichen Arbeit als auch im Notfall. Andreas Rauschelbach: "Die Leute müssen draußen funktionieren. Entsprechend haben wir verschiedene Module im Angebot." Priorität bei den Gebäude-Neubauten hat das Sea Survifal Training Center (SOS-TC), um es möglichst rasch für die Ausbildung zur Verfügung stellen zu können. Hier werden an einem Übungsturm sowie in einem Wasser becken mit Wellenanlage reale Rettungs szenarien trainiert: Mann über Bord-Manöver, Retten aus dem Wasser oder aus dem Heli-Hoist, einem nach oben offenen Käfig auf dem Anlagen-Dach, oder Brandbekämpfung. Für letztere werden eigens zwei kleinere der insgesamt 40 ehemaligen Munitionsbunker auf dem Gelände hergerichtet. "Wichtig ist es zunächst, auf dem ehemaligen Munitionsdepot-Gelände bestehende Gebäude in Nutzung zu bringen", erklärt Rauschelbach. So wird das Technical Trainings Center (TCC) mit Laboren und Schulungsräumen in der 2004 erbauten, ehemaligen Flugkörper-Teststation untergebracht.

Die Ansiedlung auch anderer Firmen aus der Branche ist ausdrücklich erwünscht. Die Firma Easy-Wind mit 15 Beschäftigten hat ihren Produktionssitz bereits hierher verlegt. Weitere werden folgen. Marten Jensen unterstreicht den Cluster-Gedanken: "Auch wenn wir mit Siemens zusammenarbeiten: Das Zentrum ist offen für jeden." Andreas Rauschelbach: "Wir wollen zeigen, dass ein Cluster der einzige Weg ist, den Ausbildungs-Bedarf bezahlbar zu befriedigen." Dabei setzten die Initiatoren auf die Bereitschaft der Unternehmen, Realtechnik für die Windkraft oder die Sicherheitsausbildung zur Verfügung zu stellen. Die Offtec-Geschäftsführer sehen ihr Unternehmen nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zum Bildungszentrum Erneuerbare Energien (BZEE) in Husum - eben um den Offshore-Bereich. Angestrebt werden Ausbildungsziele von Level 3 bis 7 für Offshore-Technik.

Die Betreiber sind sich sicher, dass von ihrem Konzept nicht nur die Region, sondern das ganze Bundesland profitieren wird. Gemeinden, Amt und Kreis stehen voll hinter dem Offtec-Projekt, erklärt Matthias Volmari und ist dankbar für die Unterstützung. Mehr Engagement hätte er gerne von der Landesregierung gesehen. Denn während das Großprojekt an der Westküste privatwirtschaftlich finanziert wird, plant das Land derzeit die Schaffung eines ähnlichen, nicht so umfangreichen Projekts an der Ostküste - unter Verwendung von Steuergeldern.

Die bis Anfang 2011 durch die Bundeswehr genutzte Liegenschaft wird derzeit noch mit fossilen Energien beheizt. Für die Offtec-Base kein Zukunftsmodell, daher wird umgestellt. Hier greift das Projekt Greentec. Es umfasst die Anwendung von regenerativen Energien für die gesamte Liegenschaft. Dazu gehört die Energieversorgungs-Sicherheit des Areals. Aber auch die Entwicklung und Vermarktung von Speichertechnologie, Elektro-Mobilität, Solar-Energie oder die Biogas-Verstromung gehören dazu.

Neben den genannten Geschäftsfeldern bietet Offtec auch Beratungsleistungen (Erstellung von Sicherheitskonzepten und Personalmanagement für den Offshore-Bereich) an. Die Kern-Aufgaben werden derzeit noch von sechs Mitarbeitern erledigt. Dazu gehören neben den Geschäftsführern ein Projektmanager sowie zwei Team-Assistentinnen. Volmari: "Wir fangen erst einmal mit einem kleinen, überschaubaren Team an. Aber wir sind expansionsfähig."

Bürgerwind Enge-Sande Betriebs GmbH & Co. KG